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DiakonInnen: Alltage damals

Diakon Otto. B. über seine Gemeindearbeit 1911:

„Langsam aber sicher kam die Arbeit auf mich zu. Montags früh war um 8 Uhr Besprechung bei Pastor B.. Schwester G. und ich waren stets pünktlich zur Stelle. Wenn etwas nicht klappte, gab es bei Schwester G. auch mal Tränen. Pastor B. war hart gegen sich selbst und verlangte auch vollen Einsatz von seinen Mitarbeitern. Meine Aufgaben waren Jugendarbeit, Besuche in der Gemeinde, besonders bei Armen und Alten, Mithilfe im Kirchenchor, Religionsunterricht, Kindergottesdienst, Männerkreis und Bibelstunde.“

Quelle: Rauhes Haus, Hamburg. ©: Jürgen Ruszkowski.

Heinrich A. erzählt von seinem Beruf als Hilfsdiakon 1928:

„Viel Mut sollte ich bald brauchen können. ... Statt Schreibmaschine, Telefon ... wurden Bohnerbesen und Scheuerhandtuch zum Handwerkszeug. Und auch während der weiteren diakonischen Lehrlingszeit bleiben diese „Spezial-Requisiten“ einem eventuellen Anwärter auf höhere kirchliche Dienste nicht erspart. ...  Ob in der Altenpflege, in der Verwaltung oder in der Erziehungsarbeit ging es stets um die gemeinsame Arbeit mit und am Menschen. Darin lag eine letzte und hohe innere Befriedigung.“

Quelle: Rauhes Haus, Hamburg. ©: Jürgen Ruszkowski.

Hugo W. erinnert sich an sein Examen 1948:

„Am 15. März 1948 war vom Rauhen Haus der Tag des Examens festgelegt und von Januar bis März war eine Zeit, in der es Tage gab, an denen wir ... bis tief in die Nacht hinein unsere Aufgaben machten. Es sollte in vielen Fächern geprüft werden. Da war Altes Testament, Neues Testament, Dogmatik, Religion, Kirchengeschichte, Innere Mission, Diakonie, Geschichte der evangelischen Jugend, Wohlfahrtsgeschichte, Buchführung und Schreibmaschinenschreiben.“

Quelle: Rauhes Haus, Hamburg. ©: Jürgen Ruszkowski.

Alfred L. erzählt von seinem Dienst aus dem Jahr 1955:

„Seemannsmission, das ist ja so etwas wie „Kirche für Seeleute“. Wir sind damals auf die Schiffe gegangen und haben mit den Seeleuten Kontakt aufgenommen. Wenn sie im Krankenhaus behandelt werden mussten oder nach irgendwelchen Vorfällen in den Knast mussten, haben wir sie dort besucht. …Das klingt nicht sehr bedeutungsvoll. Aber man sollte diese „ersten Dienstleistungen“ für die Seeleute nicht gering achten. Eine freundliche und einladende Atmosphäre und kleine, aber konkrete Hilfen – das wird durchaus geschätzt, bleibt in Erinnerung und wird mit Seemannsmission und Kirche verknüpft. … Als Seemanns-Diakon war ich oft tätig, wo einem Menschen Unrecht geschehen war, und ich bin dann mitgegangen bis zum Arbeitsgericht und zum Sozialgericht.“

Quelle: Diakonisches Erzähl- und Lesebuch; S. 47 f.; Hrsg: Alfred Ladda, et al.; Hannover 2000; Diakoniegemeinschaft Stephansstift

Karl-Heinz F. über seine Heimarbeit 1959:

„Das Heim hatte 60 Plätze, die aber nicht mehr alle mit Lehrlingen belegt werden konnten. So nahm ich auch Gesellen und Hilfsarbeiter auf. Außerdem kamen damals die ersten Gastarbeiter aus Spanien, Italien und Griechenland. Für manche Lehrlinge, die aus der Fürsorgeerziehung kamen, schickten die Jugendämter das Geld, und ich musste ihnen das Taschengeld auszahlen. Oft mussten auch noch Führungsberichte geschrieben werden. Es gab also viel Schreibkram, den ich tagsüber zu erledigen hatte. Ich war stolz darauf, dass ich sogar Sonderschüler aus dem Fürsorgeheim Loher Nocken in Ennepetal in Lehrstellen unterbringen konnte, aber abends musste ich ihnen dann beim Führen der Berichtshefte und bei den Aufgaben der Berufsschule helfen. ... An den Wochenenden brachte ich unsere Fußballmannschaft auch öfter zu Spielen gegen umliegende Lehrlingsheime.“

Quelle: Rauhes Haus, Hamburg. ©: Jürgen Ruszkowski.
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Wilhelm-E. H. zu seinr diakonischen Sozialarbeit 1966:

„Der Landessuperintendent und spätere Bischof A. bat mich, eine zeitgemäße diakonische Sozialarbeit aufzubauen. Dabei sollte ich die offene soziale Arbeit mit der Arbeit der vorhandenen diakonischen Einrichtungen verbinden. Es handelte sich dabei um Aufgabenbereiche wie Kindergarten, Familienbildungsstätte, Bahnhofsmission und die Herberge der Heimat, um Altersheime und um Behinderteneinrichtungen. ... 1984 bot man mir die pfarramtliche Mitarbeit in meiner Wohn-Kirchengemeinde an, um jeden zweiten Sonntag zu predigen und alle sonstigen pfarramtlichen Aufgaben einschließlich Friedhofsverwaltung zu erledigen. Als zusätzliche Aufgaben kamen der Bau eines Gemeindehauses und die Renovierung der Friedhofskapelle hinzu.“

Quelle: Diakonisches Erzähl- und Lesebuch; S. 84 f.; Hrsg: Alfred Ladda, et al.; Hannover 2000; Diakoniegemeinschaft Stephansstift

Weitere Zeitzeugentexte:

„Diakonisches Erzähl- und Lesebuch“
Bezug: Diakoniegemeinschaft Stephansstift

Zur Seite der Diakoniegemeinschaft Stephansstift

Mehr Geschichten von damals:

Ernst Ch. Merkel (Hrsg.): Ausbildung für eine diakonische Kirche. Zeitzeugeninterviews zur Studienzeit von Diakonen und Gemeinde-helferinnen 1945-1975. Hannover 2007

ISBN 3932011678 oder 978-3932011672

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